Die Bilder zeigen Eindruecke aus dem Wohnheim und der Stadt. Bisher habe ich leider nicht viel sehenswertes zu zeigen.
Die erste Woche war gestern vorbei und es kommt mir vor, als sei ich schon ewig hier. Mag an den vielen Eindrücken und Herausforderungen liegen, die einem hier so wiederfahren.
Zu meinem Leben hier:
Ich lebe in einem Studentenwohnheim, angeblich dem Besten in der Stadt. Es verfügt in meinem Gang über 40 Zimmer, die stets mit mindestens 5 Personen belegt sind, auch Achtbettzimmer habe ich schon gesehen. Diese haben die gleiche Größe wie das unsere, welches ich mit Rico, einem Deutschen aus Berlin, bewohne. An jedem Ende des Ganges gibt es ein „großes“ Badezimmer mit 3 Duschen und weiteren 4 Toiletten. Eigentlich ist dieses nach männlich-weiblich getrennt, darum schert sich aber keiner mehr, seit vor einigen Tagen im Männerbadezimmer das Wasser ausgefallen ist. Von daher hat sich auch an meiner hastig verfassten Stellungnahme von letzter Woche (s.u.) nicht viel geändert. Nach wie vor setzen mir die hygienischen Zustände zu, auch wenn man sich langsam damit abgefunden hat. Ähnliches gilt für meine Einschätzung der Gastfreundlichkeit hier – sowohl im Wohnheim als auch in der Uni fühlt man sich stets willkommen. Ständig wird man auf dem Gang angesprochen oder zu irgendwas eingeladen. So ist es alltäglich, sich auf dem Gang einzufinden und zu plaudern. Nach ein bis zwei Stunden mühseligem Russisch (unter gelegentlicher Zuhilfenahme des Englischen - wenn auch immer seltener J ) über Sport, Uni, Leben in Deutschland und Russland, usw. ist man jedoch geistig erstmal platt.
Zur Stadt:
Jekaterinburg hat etwa 1,5 Millionen Einwohner. Abgesehen vom Stadtkern habe ich bisher nicht viel gesehen, was sich wahrscheinlich an den nächsten Wochenenden ändern wird. Bis jetzt macht die Stadt einen netten Eindruck, ich hätte jedoch nicht gedacht, hier auf so viele westliche Elemente zu stoßen. Die gleiche Werbung, die gleichen Lebensmittel, die gleichen Autos, auch wenn importierte Lebensmittel sowie Autos teuer sind, auch teurer als in Deutschland. Was mich bisher nicht beeinträchtigt hat, jetzt aber langsam körperlich spürbar wird, ist die Luftverschmutzung einer typischen Industriestadt Russlands. Das Klima ist momentan NOCH aehnlich wie in Deutschland - Temperaturen um 25Grad und meist sonnig. Das wird sich jedoch in den naechsten Tagen aendern, man sagt, dass es ein strenger Winter werde.
Zum Studium:
In diesem Semester werde ich wahrscheinlich folgende Kurse besuchen:
Englisch (Yeah)
Weltwirtschaft
Internationale Transporte
Internationale Investitionen und Business Projekte
Management in russischen Märkten
Auch wenn die Uni aeusserlich einen bequemen Eindruck macht, so ist das Leben innerhalb wenig komfortabel. Wer hier 90 Minuten auf einer der durchloecherten Baenke gesessen hat, der weiss wiedermal unsere FH zu schaetzen (an diesem Punkt ein Gruss an alle lesenden Hochschulmitarbeiter, die sich jetzt sicher wieder mal in Ihrer Meinung, unsere Studenten seien zu anspruchsvoll bestaetigt sehen). Eine Vorlesung zu verstehen ist eine Herausforderung, die es auch noch lange bleiben wird. Gerade Fachvokabeln lassen das Verständnis immer wieder abbrechen, so dass das Wörterbuch der ständige Begleiter ist. Willkommene Abwechslung ist es dann, die Frauenquote des Kurses zu errechnen. Sie liegt in meinen Kursen bisher bei 5:1, campusweit bei 70:30!
Zu den Frauen:
Vor meiner Reise hierher konnte ich nie so recht glauben, wenn ich hörte, welch Paradies einen hier umgeben soll. Schnell stellte ich fest, dass alle Erzählenden Recht hatten, es ist schier unglaublich, was für eine Masse an schlanken, hübschen und (teilweise total übertrieben) aufgedonnerten Frauen hier rumläuft. Grund dafür muss wohl die erheblich niedrigere Lebenserwartung der Männer (Alkoholismus) und genetische Veranlagung sein, Männer sind in der Unterzahl und zwingen die Frauen damit zu einem Wettbewerb. Und das spürt man immer wieder: betritt man den Raum, so wird man unmittelbar gemustert, es wird getuschelt und gelächelt. In den Diskotheken ist die Aggressivität des schwachen Geschlechts (hier wohl eher das starke Geschlecht) unfassbar. Bevorteilend hinzukommen mag die Nationalität. Jedenfalls hingen mir die Frauen im Wohnheim an den Lippen, als sie in einem unserer Ganggespräche über meine Herkunft erfuhren.
Oberflächlich? Ja! Auch wenn es ganz nett ist, derart umworben zu werden, so kann es auf Dauer nicht über die Hintergründe und Motivationen einiger Damen hinweg täuschen.
Wer sich selbst ein Bild machen will, der kann mich gerne besuchen kommen. Direktflüge mit Lufthansa ab Frankfurt gibt es ab 385Euro, entsprechende Ausdauer bei der Visumsbeantragung vorausgesetzt. Habe mir jedoch sagen lassen, dass Reiseagenturen das wohl auch schnell und günstig übernehmen.
Internet könnte ich hier schon haben, habe es jedoch bisher bevorzugt, auf einen vernünftigen Flatrate-Highspeed Zugang zu warten. Ich hoffe, dass dies nicht mehr allzu lange dauert und ich auch hier im Wohnheim via Skype und ICQ erreichbar bin. Bis dahin kann ich nur mit meiner russischen Handynummer dienen:
Von Deutschland aus: +7 982 605 7682
Von Russland aus: 8982 605 7682 (hier ein Gruß an die Moskauer)
Wer mir eine SMS aus Deutschland eine SMS schreiben moechte, der kann das gerne versuchen, zurueckschreiben oder anrufen kann ich leider nicht.
Heute Abend wird wieder ein Club gerockt... wuenscht mir viel Spass... und Durchhaltevermoegen fuer die Vorlesung morgen frueh um Acht :(
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen