Außerdem hat das Wetter zur Folge, dass die Röcke der Frauen länger geworden sind – jetzt erreichen sie schon fast Knielänge, unfassbar, aber leider wahr :(
Vergangene Woche nahmen Britta, Rico und ich an einer Konferenz teil. Allgemeines Thema war die Globalisierung und mit ihr einhergehende Fragestellungen. Dazu sollten wir jeder ein Thema vorbereiten, einen Aufsatz auf Englisch schreiben und diesen dann anschließend auf Russisch kurz zusammenfassen. Ich nahm anfangs an, damit sei mein Soll erfüllt, bis ich dann davon erfuhr, das Thema auch in einer Präsentation vorstellen zu müssen. Also bastelte ich eine zusammen und übersetze zusammen mit einer Freundin. Mein Thema: „Потенциал стандартизации и количественных методов в глобализации мира“ oder auch „Das Potential von Standardisierung und Quantitativen Methoden in einer globalisierten Welt“ Meine Folien waren auf Russisch, meine Präsentation auf Englisch, angesichts des schwierigen Themas.
Bevor ich jetzt von der Konferenz selbst berichte, möchte ich noch kurz auf ein unglaubliches Ärgernis eingehen: Wir 3 Deutsche und ein chinesischer Professor waren pünktlich wie abgesprochen an der Uni, um von dort aus in einem Sammelbus weiterzufahren. Dieser war bedauerlicherweise schon weg. Aber es waren ja noch zwei Autos da, die insgesamt 9 Menschen zu befördern hatten, ein „Wolga“ und ein 5er BMW. Jetzt denke sich ein ausreichend kluger Mensch: „alles klar, einmal 4, einmal 5 Personen“. Aber nix da. Kann ja nicht sein, dass Verwaltungspersonal zusammen mit Studenten fährt. Also wurden die 3 Deutschen, der Chinese, eine Betreuerin zusammen mit dem Fahrer mit dem Wolga losgeschickt, während die feine Hochschulgesellschaft zu Dritt fuhr. Mal abgesehen davon, dass das Ganze bei den Witterungsverhältnissen und der Entfernung (150Km) ein Sicherheitsrisiko darstellt, ist es auch noch eine unglaubliche Unverschämtheit, die einzigen „Internationalen“, die an dieser „Internationalen Konferenz“ teilnehmen (und damit aufwerten), so zu behandeln. Wie sagte Medwedew noch vor einigen Tagen … Russland müsse aus seiner chronischen Rückständigkeit rauskommen … mit solchen Herrschaften wird das aber nichts.
Meine Präsentation selbst lief ganz gut, auch wenn kaum jemand verstand, von was ich sprach. Das merkte ich dann immer, wenn ich eine Frage in die Gruppe stellte und keine Antwort bekam. Naja, dank einer Menge Präsentations- und Redeerfahrung lasse ich mich davon nicht mehr beeindrucken. Im Anschluss an meine Präsentation folgte noch eine kleine Diskussion, dann auf Russisch. Zum Glück waren die meisten Fragen über mich und nicht über mein Thema, das ich auf Russisch sicherlich nicht annähernd erklären könnte.
In den letzten Tagen ist es still geworden, die Schweinegrippe hat auch den Ural voll im Griff. Fast alle Bewohner des Wohnheims sind ausgezogen, die Uni hat seit letztem Freitag für nun 2 Wochen geschlossen.
Damit ist das Leben etwas eintönig geworden und wir haben uns entschlossen, unser Reisevorhaben Richtung Osten nun doch zu realisieren. Zwar verringert das nicht die Ansteckungsgefahr, schafft aber etwas Abwechslung und bringt uns in eine Region, wo wir wohl nicht mehr hinreisen werden.
Die Reiseroute ist hier zu sehen…
Um Kosten zu sparen, fliegen wir über Moskau. In Irkutsk angekommen, geht es mit einem Kleinbus über teils Schotterpisten zu einer Insel, die durch ihre Natur wohl sehr reizvoll ist und eine Erfahrung sein soll. Drei Tage später reisen wir wieder zurück, um in Irkutsk selbst noch 3 Tage zu verbringen. Ursprünglich hatten wir dort hinten, am größten Wasserreservoir der Welt, dem Baikalsee, mit unter -25°C gerechnet. So wie es aber derzeit scheint, können wir leider nur mit -20° bis -10°C rechnen.
Die Rückreise wird identisch zur Hinreise, mit dem Unterschied, dass wir in Moskau noch 4 Tage bleiben werden.
Bis dahin, ich schreibe in zwei Wochen wieder!
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